Die wahre menschliche Güte kann sich in ihrer absoluten Reinheit und Freiheit nur denen gegenüber äußern, die keine Kraft darstellen. Die wahre moralische Prüfung (die so tief im Innern verankert ist, dass sie sich unserem Blick entzieht) äußert sich in der Beziehung der Menschen zu denen, die ihnen ausgeliefert sind: zu den Tieren. Und gerade hier ist es zum grundlegenden Versagen des Menschen gekommen, zu einem so grundlegenden Versagen, dass sich alle anderen aus ihm ableiten lassen...
Es ist gefährlich, ein Tier in eine belebte Maschine, eine Kuh in einen Milchautomaten zu verwandeln: der Mensch schneidet auf diese Weise die Schnur durch, die ihn mit dem Paradies verbindet, und nichts wird ihn aufhalten, nichts wird ihn trösten können auf dem Flug durch die Leere der Zeit.

Es ist kein besonderer Verdienst sich den Mitmenschen gegenüber korrekt zu benehmen. Wir müssen uns unseren Mitmenschen gegenüber korrekt verhalten, weil wir sonst in dieser Welt nicht leben könnten. Und sogar unserem Partner gegenüber müssen wir uns liebevoll verhalten, weil wir ihn brauchen. Man wird niemals mit Sicherheit festellen können, inwieweit unsere Beziehungen zu anderen Menschen das Resultat unserer Gefühle, unserer Liebe, unserer Unliebe, unserer Gutmütigkeit oder Bösartigkeit sind, und inwieweit sie durch das Kräfteverhältnis zwischen den einzelnen Menschen festgelegt sind.  (Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, Milan Kundera)